Pubertät

Da ist sie nun: Die Pubertät. Die Zeit, vor der sie einen immer gewarnt haben. Die Zeit, von der sie immer lachend behauptet haben, dass die Welpenzeit ein Witz gegen sie ist. Dass all das, was der Hund bis dahin gelernt hat, für einige Zeit wieder über Bord geworfen wird.

Bei Hunden fängt die Pubertät in der Regel zwischen dem siebten und zwölften Lebensmonat an und endet ungefähr zwischen dem zweiten und dritten Lebensjahr. Milow ist meines Erachtens bei allem ein Spätzünder – ob es das Zahnen oder Beinheben gewesen ist. Der Trend hat sich auch bei der Pubertät weiter fortgesetzt. Ich würde behaupten, dass wir erst recht kurz vor seinem ersten Geburtstag die Pubertät zum ersten Mal deutlich spüren konnten.

Woran merken wir, dass unser Hund in der Pubertät ist?

Mit seinem ersten Geburtstag kam die Unaufmerksamkeit uns gegenüber. Unsere Kommandos befolgt er nur ab und an und deutlich „lieber“, wenn wir Leckerlies in der Hand haben (da kommt der verfressene Labrador in ihm wieder zum Vorschein). Er zeigt sich seitdem von seiner stürmischen und tollpatschigen Seite, allerdings ohne dabei bösartig zu sein. Er probiert sich, wie wohl jeder Hund in seinem Alter, aus, testet seine Grenzen und hinterfragt seine Position in unserem Miteinander wieder neu.

Ich kann aktuell stärker als je zuvor bei ihm beobachten, wie sehr er mit sich selbst beschäftigt ist, wie seine Hormone ihn vollkommen im Griff haben. Dass er trotz, aber auch vielleicht gerade wegen, des Kastrationschips oftmals durch den Wind ist und mit sich und der Lage völlig überfordert zu sein scheint. Dass er sich selbst jeden Tag neu entdeckt und vor allem uns bei dem Prozess braucht, die ihn dabei unterstützen und ihm die Richtung vorgeben.

Es ist jetzt knapp sieben Wochen her, dass er den Kastrationschip eingesetzt bekam. Ob die chemische Kastration inzwischen bei ihm wirkt, lässt sich nur schwer feststellen. Denn das, was wir uns am meisten von ihr versprochen haben, ist bislang nicht eingetreten: Er ist nach wie vor oft sehr drüber und kämpft oftmals mit sich selbst, ruhig zu bleiben, erschwert uns dadurch nach wie vor noch den Umgang mit ihm und anderen Menschen, vor allem auch an der Leine.

Wie wirkt unser Hund in der Pubertät auf andere Menschen?

Dadurch, dass Milow zwar inzwischen die Höhe eines kleinen Ponys erreicht hat und über 30 kg auf die Waage bringt, er aber im Kopf immer noch ein Junghund ist, können viele Menschen die Lage nicht richtig einschätzen. Auf den ersten Blick wirkt er wie ein ausgereifter Hund, der weiß, was er tut. Auf den zweiten Blick ist er allerdings immer noch ein verspieltes und tollpatschiges kleines Wesen („klein“ zumindest im Kopf), was die einen erfreut und die anderen verschreckt.

Besonders in letzter Zeit ist uns das immer wieder klargeworden, wenn wir mit ihm draußen spazieren gegangen sind. Die meisten Menschen finden ihn von weitem extrem süß, wenn sie aber näher auf uns zukommen und sehen, welche Kraft er hat, bekommen sie Angst. Dabei würde ich behaupten, dass Milow der liebste Hund auf Erden ist und keiner Fliege was zu leide tun würde. Doch sein ganzes Auftreten kann wirklich einschüchternd wirken.

Unser pubertierender Labmaraner Milow am Achensee
Unser pubertierender Labmaraner Milow am Achensee
Unser pubertierender Labmaraner Milow und ich in Österreich
Unser pubertierender Labmaraner Milow und ich in Österreich

Wie gehen wir mit Milows Pubertät um?

Für uns ist seine Pubertät extrem anstrengend. Milow ist sehr temperamentvoll und erfordert mehr Aufmerksamkeit und Beschäftigung als je zuvor. Egal wie konsequent wir sind oder wie laut wir gegenüber ihm werden, in manchen Situationen bleibt er davon völlig unbeeindruckt und extrem stur. Dieses Verhalten stellt sich beispielsweise als besonders schwierig dar, wenn uns Menschen begegnen, die er nicht anspringen soll. Oder Hunde, die er an der Leine nicht begrüßen soll. Leinenführigkeit ist hier DAS Stichwort schlechthin.

Die Tierärztin gab uns beim Einsetzen des Kastrationschips noch mit auf den Weg, dass solch eine Kastration eine gute Erziehung nicht ersetzt. Leinenführigkeit muss trainiert werden, immer und immer wieder. Das hat weniger mit dem Charakter des Hundes, als vielmehr mit gutem Training und dem Alter zu tun. Wenn über 30 kg an der Leine ziehen, führt das an so manchen Tagen zu Armschmerzen. Auch hier bleiben wir dran und konsequent, haben aber für uns noch nicht den richtigen Weg finden gefunden, wie wir ihn dauerhaft an der Leine gut kontrollieren können.

Wir haben diesbezüglich viele Halsbänder und sämtliches Geschirr ausprobiert, was uns bei der Leinenführigkeit unterstützen soll. Als besonders erwiesen hat sich zuletzt ein Geschirr, das den Hund am Rücken zieht, allerdings vorne an der Brust gepolstert ist und unter den Vorderbeinen beidseitig zum Rücken lang führt. Damit kann er wenig Kraft aufbringen, zum Ziehen anzusetzen, und wir haben die Möglichkeit, ihn besser halten und auf verschiedene Situationen reagieren zu können.

Welche Erfahrungen können wir bislang aus seiner Pubertät mitnehmen?

Zuletzt waren wir im Urlaub in Österreich mit Milow. Naja, sagen wir: „Kurzurlaub“. Denn wir mussten ihn leider schon nach einem Tag abbrechen, weil ich mir den Zeh gebrochen hatte. An der Stelle kommt von mir ein guter gemeinter Rat an alle Hundehalter: Lasst die Flexileine (die sich ausrollt), falls ihr so eine besitzt, niemals festgestellt, wenn ihr eurem Hund etwas schmeißt! So ist es nämlich bei mir der Fall gewesen und Milow hat mich quasi hinter sich hergezogen.

Ich wollte die Leine nicht loslassen und Stand halten, damit ich nicht in den See falle. Also habe ich mich mit meinen Zehen in den Sand festgekrallt und dabei ist es passiert. Eine ziemlich blöde, aber lehrreiche Situation. Schuld daran bin ich selbst gewesen, weil Milow einfach nur seinem Instinkt und unserem Training nachgegangen ist.

Was ich aber eigentlich sagen wollte, ist: Tut es euch nicht an, mit einem pubertären Hund in einen Wanderurlaub zu fahren, in dem er nur an der Leine und manchmal auch mit Maulkorb geführt werden muss. Diese Situation bereitet beiden Parteien keine Freude. Wir konnten uns davon überzeugen. So schön die Landschaft und die Seen mit Milow auch gewesen sind, so süß wie unser Labmaraner auch geschwommen ist, die wenigen kleinen Hundebadeseeabschnitte reichen einem pubertären Hund nicht aus, um sich auspowern zu können.

Für uns war der Kurzurlaub schlichtweg Stress gewesen, weil wir weder unserem Hund noch uns wirklich gerecht werden konnten. Zuhause geht er nämlich inzwischen sehr gut an der Leine, dort hingegen ist alles andere als wir interessanter für ihn gewesen. Für einen Labrador, der das Wasser liebt, ist jedes noch so kleine Fleckchen Wasser lohnenswert gewesen, um dorthin zu ziehen. Gefühlt jeden einzelnen Stock in den Wäldern hat Milow mindestens einmal im Maul gehabt, an jedem Grashalm musste er schnuppern.

Es mag sein, dass eine noch besser trainierte Leinenführigkeit hier geholfen hätte. Dass sein Verhalten durch uns hätte anders gesteuert werden können. Aber wir haben wirklich alles versucht und gegeben, um entspannt mit ihm spazieren gehen zu können.
Ich bin einfach davon überzeugt, dass solch eine neue Umgebung für einen pubertären Hund (immer an der Leine) noch zu früh gewesen ist und ein Wanderurlaub deutlich später geplant werden sollte. Denn man muss auch immer die Gefahr sehen, die ein ziehender Hund mit sich bringen kann, wenn man sich auf schmalen Wanderwegen bewegt.  

Die Pubertät eines Hundes kann sich ziehen und den Haltern so manche Nerven abverlangen. Ich denke, dass es hier vielen ähnlich wie uns ergeht. Denn die, mit denen wir uns darüber austauschen, bestärken uns immer in unserem Denken und geben uns den Mut, weiter an der Erziehung dran zu bleiben. Sie erinnern uns immer wieder daran, dass es sich am Ende alles auszahlt und die Geduld sich lohnt. Diese Gedanken möchte ich euch auch gerne mit auf den Weg geben. Sie geben mir immer wieder die nötige Energie, die ich für diese Zeit brauche. 🙂

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