Leinenführigkeit

Dieses Thema ist wohl für alle Hundebesitzer von großer Bedeutung: die Leinenführigkeit beim Hund.
Ich persönlich kenne einige Hunde, die ihre Herrchen an der Leine hinter sich herziehen. Die ihnen immer einen Schritt voraus sind. Die die Nerven ihres Halters jedes Mal aufs Neue überstrapazieren.
Meist lassen sich diese dann auch aus Bequemheit auf das Spielchen ein oder aber sind der Meinung, dass der Zug längst abgefahren ist. Andere wiederum schreien ihren Hund wütend an, weisen ihn zurecht oder werden handgreiflich.
Wohl keiner dieser Wege führt letztlich zum Ziel, dass der Hund aus freien Stücken leinenführig mitgeht. Denn woher soll der Hund auch verstehen, was er sein zu lassen hat, wenn man ihm gegenüber nicht klar kommuniziert, was man von ihm erwartet?

Wo liegt der Unterschied zwischen einem Geschirr und einem Halsband?

Als wir Milow bei der Züchterin abgeholt hatten, fuhren wir mit ihm zu aller erst zu einem Tierfachgeschäft, um ihm ein passendes Halsband und Geschirr zu kaufen. Wir hatten zu dem Zeitpunkt zwar keine Ahnung, worin der Sinn und Unterschied des Tragens beider liegt, waren uns aber sicher, dass wir beides brauchen würden. So haben wir ihn anfangs die meiste Zeit das Geschirr tragen lassen, da er einerseits so leichter festzuhalten war, ihm andererseits ein Ruck am Rücken im Gegensatz zum Hals nicht so wehtat.

Nach den ersten Stunden in der Hundeschule kam ziemlich schnell das Thema Leinenführigkeit an die Reihe. Wir bekamen beigebracht, Milow vorübergehend zum Spazierengehen beides anzuziehen (inzwischen natürlich um einige Nummern größer), damit wir die Leine zwischendurch – je nach Bedarf – immer wieder umstecken können. Wenn wir vorhaben, mit ihm entspannt spazieren zu gehen, sodass er schnuppern und auch ziehen darf, dann sollen wir die Leine ans Geschirr heften, wenn wir aber ein Ziel vor Augen und es somit eilig haben, dann gehört die Leine an sein Halsband – denn hier ist Ziehen nicht erlaubt.

Die Leinenführigkeit meint also das lockere nebeneinander Hergehen zwischen Halter und Hund, idealerweise am Halsband. Dies erfolgt wünschenswerterweise  mit durchgehängter Leine, da der Hund alles und jeden missachten soll, das bzw. der ihm den Weg kreuzt.

Wie bringen wir unserem Hund bei, leinenführig zu gehen?

Wir haben die Leinenführigkeit so aufgebaut, dass wir den Leckerlibeutel immer dabei und am Hosenbund befestigt hatten, sodass wir Milow zu jederzeit am Halsband füttern konnten. Das ist ganz wichtig, um ihm so den Weg zum Ziel, im wahrsten Sinne des Wortes, „schmackhaft“ zu machen. Wir haben es so beigebracht bekommen, dass wir die Leine an seinem Halsband befestigen und das andere Ende locker in unsere rechte Handfläche legen, sodass die Leine durchhängt und er entspannt neben uns stehen kann.

Um seine Aufmerksamkeit zu bekommen, füttern wir ihn zu Beginn mit einem Leckerli. Dann gehen wir los, ein, zwei Schritte, und drehen uns zügig nach rechts zu ihm, einzig und allein mit unserer linken Schulter, ein, um seine Bahn zu kreuzen und ihn zu stoppen. Bleibt er stehen und schaut uns an, bekommt er zur Belohnung ein Leckerli. Diese Kombination haben wir immer wiederholt, wenn wir die Leinenführigkeit mit ihm geübt haben. Und das Prozedere setzen wir auch heute noch fort, wenn er nicht aus freien Stücken leinenführig neben uns hergehen möchte.

Es ist natürlich wünschenswert, dass er etwas hinter, maximal neben uns, hergeht. Überholungen seinerseits sind absolut tabu. Es wurde uns so beigebracht, dass wir ihn in dem Fall mit unserer linken Hand an die richtige Stelle zurückschieben sollen. Wir packen ihn also mit der flachen offenen Hand vorne am Schädel und stupsen ihn zurecht, bis er den richtigen Standpunkt einnimmt. Die ersten Male wird ein Hund immer wieder versuchen, zu überholen, bis er verstanden hat, dass er es zu unterlassen hat.

Warum entscheiden wir uns dafür, auf das Geschirr zu verzichten?

Vor knapp drei Wochen habe ich höchstpersönlich und ohne Absprache mit unserer Ansprechpartnerin in der Hundeschule das Geschirr von Milow frühzeitig verabschiedet. Mit der Zeit lässt man es ja bestenfalls ohnehin einfach weg. Doch bei uns war es schon jetzt soweit. Milow wiegt nämlich inzwischen über 25 kg und würde uns mit seinem Gewicht, wenn wir nicht darauf vorbereitet sind, schlichtweg umreißen. Schnuppern hin oder her – ich habe für mich beschlossen, dass er von dem Zeitpunkt an nur noch schnuppern darf, wenn er freiläuft. Ansonsten darf er höchstens kurz abweichen, wenn er sich entleeren muss.

Den Freilauf bekommt er, wenn möglich, einmal am Tag für eine knappe halbe Stunde – natürlich nur auf ausgewiesenen Freilaufflächen wie unsere beliebte Hundewiese. Auf unserer Rückrufsignal zusammen mit einem Pfiff durch eine Hundepfeife, hört er in den meisten Fällen auch sehr gut. Sonst würden wir ihn nicht so schnell von der Leine lassen.
Für unbekannte Freilaufflächen kaufte ich ihm übrigens vor einigen Wochen einen Maulkorb, den er nun aus Sicherheitsgründen trägt. Nicht schick, aber zuverlässig. Schließlich nimmt der Labrador in ihm alles vom Boden auf, was er nur aufschnappen kann – schneller als wir überhaupt reagieren können. An den Maulkorb konnte ich ihn glücklicherweise mit vielen Leckerlis und etwas Training schnell gewöhnen.

Was so schön und einfach klingt, ist in der Realität harte Arbeit. Im Alltag kostet es mich so manche Nerven, Milow immer wieder zurecht zu stupsen, ihm zu verdeutlichen, was er zu tun hat. Aktuell kommen besonders bei dem Thema seine Pubertät und sein Dickkopf durch und stellen mein Gemüt jeden Tag auf die Geduldsprobe. Ich muss mich ehrlicherweise auch oft selbst maßregeln, dass ich das Thema emotional nicht zu sehr an mich ranlasse, weil ich mir hier manchmal langanhaltendere Erfolge wünsche. Ich zwinge mich regelrecht dazu, immer wieder neu und positiv an das Thema ranzugehen. Schließlich gewinnt am Ende die Entspannung, wenn ich durchhalte.

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