Hundesitter

Welche Konsequenzen hat die Hundehaltung für Urlaube?

Mein Freund und ich waren uns bereits vor der Anschaffung eines Hundes darüber im Klaren, was diese Verantwortung und auch Verpflichtung mit sich bringen würde. Wir sind sämtliche Szenarien im Kopf durchgegangen – „für den Fall der Fälle“, wie man so schön sagt. Denn ein Hund ist nicht nur zeitintensiv, was viele oftmals unterschätzen, sondern vor allem auch bindend. Zumindest so stark, wie man es zulässt.

Auch hier gehen die Meinungen wieder einmal stark auseinander: Die einen empfinden ihrem Hund gegenüber solch ein Verantwortungsbewusstsein, dass sie, solange er mit ihnen zusammen lebt, kaum Zeit ohne ihn verbringen möchten bzw. ihn möglichst nicht alleine lassen wollen. Das geht auch soweit, dass diese Leute ohne ihn nicht mehr in Urlaub fahren bzw. fliegen wollen – weil sie sich eben dazu verpflichtet fühlen, den Hund immer und überall mithinzunehmen.
Die anderen wiederum geben ihren Hund stunden-, tage- oder auch wochenweise hin und wieder einmal ab – sei es zu einem privaten Hundesitter oder aber in eine Hundetagesstätte bzw. -pension.
Natürlich sind diese Varianten auch eine kostspielige Angelegenheit, keine Frage. Der Preis muss es einem dann eben wert sein.

Ich verurteile hier niemanden für seine Meinung oder seine Art, wie er mit solchen Situationen umgeht. Denn jeder hat einen anderen Anspruch an sein Leben.
Ich möchte nur klarstellen, dass, wenn ich in den nächsten Zeilen von unseren Erfahrungen diesbezüglich berichte, ich mir dennoch meiner Verantwortung und Verpflichtung Milow gegenüber bewusst bin. Ich liebe unseren kleinen großen Racker nach wie vor und nur weil ich Veranstaltungen oder Urlaube wahrnehmen möchte, bedeutet das nicht, dass ich ihn gerne in die Obhut eines anderen abgebe oder mich leicht von ihm trennen kann. Mir bricht es immer wieder das Herz, wenn ich ihn für eine Weile abgeben muss. Aber für mich sind Veranstaltungen oder Urlaube, auf bzw. in die Milow nicht mitkommen kann, ebenfalls sehr wichtig, und ich möchte nicht auf sie verzichten.

Dadurch bin ich meinem Empfinden nach aber keine Rabenmutter. Im Gegenteil: Wie ihr in den nächsten Zeilen lesen könnt, suche ich sehr wohl gezielt nach einer, Milows Ansprüchen gerecht werdenden, Alternative, wenn ich bzw. wir einmal nicht greifbar für ihn sind.

Welche Vorteile haben Hundesitter?

Natürlich haben uns viele unserer Freunde, Bekannte und Verwandte angeboten, stunden- und tageweise auf Milow aufzupassen. Da ist er auch noch wenige Wochen jung und besonders süß gewesen und hat viel geschlafen. Rückblickend konnte man ihn zu der Zeit deutlich einfacher in Schach halten als heutzutage. Doch auch heute gibt es noch vereinzelt Personen, die ihn so sehr in ihr Herz geschlossen haben, dass sie bereit sind, ihn für mehrere Stunden zu übernehmen.

Doch ehrlich gesagt, konnten wir uns nicht damit anfreunden, Milow zu uns bekannten Personen zu geben. Denn die, die es uns angeboten haben, waren meist Personen, die entweder keine Ahnung von Hunden haben oder denen wir nicht zur Last fallen wollten. Denn so ein Hund, ist er noch so klein, kann auch sehr anstrengend werden, wenn man nicht durchsetzungsfähig genug ist.
Demzufolge ist Milow bislang immer nur zu einer einzigen uns eng vertrauten Person in Obhut gekommen, wenn es zeitlich gepasst hat – und das ist der Bruder von meinem Freund. Die beiden sind ein Herz und eine Seele und er hat ihn noch heute sehr gut im Griff.

Bereits vor Milows Einzug schaltete ich online eine Stellenanzeige, mit der ich nach liebevollen, zeitlich flexiblen StudentInnen suchte, die Erfahrung im Umgang mit Hunden haben. Auch als er älter wurde, versuchte ich es noch ein weiteres Mal mit einer Online-Stellenanzeige. Zudem habe ich mich auf einem Online-Portal angemeldet, auf dem sich HundesitterInnen aufhalten.
Bis heute haben sich nur junge Mädels und eine Frau mittleren Alters bei mir gemeldet, die Interesse an der Stelle hatten.

Mir ist eine solche Betreuung zum einen sehr wichtig gewesen, weil Milow anfangs noch keine vier Stunden zuhause alleine bleiben konnte. Zum anderen, weil er sich an weitere Bezugspersonen gewöhnen sollte. Doch in seinem kurzen Leben hat Milow mittlerweile schon an die 10 HundesitterInnen kennengelernt. Auf zwei von ihnen können wir heute noch jederzeit zurückgreifen, alle anderen haben sich mit der Zeit von uns verabschiedet.

Entweder sind sie weggezogen, hatten keine Zeit mehr oder haben sich im Umgang mit Milow schwer getan. Ich muss dazu sagen, dass er natürlich anfangs in einem ungewohnten Umfeld aufdreht, bis er sich mit der Zeit beruhigt und einem Fremden Vertrauen schenkt. Doch Milow ist offen für alles und jeden und ein sehr herzlicher Typ, mit dem man nur konsequent genug sein muss. Er hat sich sogar nie zu uns umgedreht, wenn wir ihn bei jemandem abgegeben haben, und ist wie selbstverständlich mit den Mädels mitgegangen. Auf den ersten Eindruck scheint er sich mit der Situation, woanders unterzukommen, also immer recht wohlgefühlt zu haben – und das war mir auch immer am wichtigsten.

Dementsprechend hoch sind auch meine Erwartungshaltungen gegenüber den jeweiligen Hundesitterinnen gewesen. Ich führte immer vor dem ersten Treffen mehrere Gespräche mit den jeweiligen Personen und stellte ihnen Milow erst einmal vor, bis ich ihn das erste Mal alleine mit gepackter Tasche (gefüllt mit Trinknapf, Leckerlis, Knabber- und Spielsachen, Decke und Kotbeutel) bei ihnen ließ. 
Zudem tauschte ich mich jede zwei Stunden mit ihnen per Handy darüber aus, wie es bei ihnen läuft, um sicherzustellen, dass es Milow auch gut geht und er keinen Mist baut.

Mit unseren beiden verbliebenen Hundesitterinnen sind wir mehr als zufrieden und wissen Milow dort gut aufgehoben und liebevoll betreut. Bei allen anderen hatten wir oft das Gefühl, dass sie mit ihm und seiner Art nicht richtig umgehen können.
Heute greifen wir nur noch selten auf die beiden zurück, weil Milow inzwischen schon einige Stunden alleine zuhause bleiben kann. Wir geben ihn nur noch ab, wenn es für uns absehbar ist, dass es mit unserer Rückkehr später werden kann und die Hundetagesstätte an dem Tag keine passende Alternative für uns darstellt.

Welche Vorteile hat die HuTa? / Welche Vorteile hat die Hundepension?

Die Hundetagesstätte ist für uns sehr schnell relevant geworden, weil wir Milow auch an sie von Anfang an gewöhnen wollten – tages- aber auch wochenweise. In einem Stadtteil weiter von unserem Zuhause entfernt ist eine HuTa mit einem grandiosen Ruf, die wir auf Empfehlungen unbedingt ausprobieren wollten. Nach einigen Monaten gaben wir Milow dann probeweise für einen halben Tag dort ab, um den Aufnahmetag zu bestehen. Und dem kam er auch nach. Von da an konnte und kann er dort immer unterkommen, wenn wir ihn vorher anmelden.

Für uns stellt die HuTa eine teurere, aber für Milow schönere Alternative zu den Hundesitterinnen dar, weil er hier mit anderen Hunden voll auf seine Kosten kommen kann und sich im Rudel immer sehr wohl fühlt. Er war mittlerweile schon öfters stundenweise da, was ihm gut bekommen ist.
Der Vorteil an der HuTa ist, dass sie gleichzeitig auch als Hundepension fungiert, wenn man seinen Hund für mehrere Tage in Folge oder wochenweise dort unterbringen möchte.

Als wir beispielsweise letztens vier Tage übers Wochenende in Wien waren, hatten wir ihn vorher dort hingebracht und ich rief jeden Tag dort an und fragte nach seinem Wohlergehen. Per Handy bekam ich sogar ein Video von ihm, spielend mit einer Hundedame, zugeschickt, was mir zeigte, dass es ihm dort zu gefallen scheint. Natürlich gleicht die Hundepension keinem 5 Sterne Hotel, allerdings auch keinem Tierheim, wie man es sich in Gedanken vorstellt. Die Hunde haben es schön da, sie haben genug Auslauffläche und vor allem sich untereinander. Mein Freund und ich vergleichen solch einen Tag immer gerne mit einem Kindergeburtstag, zu dem wir unser „Kind“ hinbringen und von dem wir es auch wieder fix und fertig, aber vor allem glücklich, abholen.

Wer passt auf den Hund auf?

Es bleibt natürlich jedem selbst überlassen, wie er es mit seinem Hund und einer entsprechenden Unterkunft handhaben möchte, wenn er ihn mal nicht bei sich haben kann.
Mir persönlich haben all die Erfahrungen aber nur noch einmal mehr gezeigt, dass ein Hund auch nur ein Gewöhnungstier wie wir Menschen ist, den man an solche Situationen heranführen muss – besser früher als später – sofern man davon Gebrauch machen möchte. Einem Hund geht es meiner Meinung nach nicht schlecht, wenn er für kurze Zeit woanders unterkommt. Ich finde diesen Gedanken keinesfalls verwerflich.

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