Hundebekanntschaften

Wie ich bereits auf der Homepage geschrieben habe, sind meine Eltern im Besitz einer Jack-Russell-Hündin namens Lilli. Unseren Welpen wollten wir natürlich schnellstmöglich an sie heranführen, damit sich die beiden von Anfang an im Umgang miteinander vertraut sind. So brachten wir die beiden bereits in den ersten Tagen nach Milows Einzug zusammen und ließen sie an der Leine nebeneinander herlaufen. Für ihn war sie natürlich sehr spannend, sodass er nur so zu ihr hinzog. Ganz im Gegenteil zu ihr, die so gar kein Interesse an ihm äußerte.

Warum können ältere Hunde mit Welpen nichts anfangen?

Wir hatten sehr schnell die Erklärung dafür, warum sich Lilli nicht so sehr für Milow interessierte: Ältere Hunde können mit Welpen einfach nichts anfangen. Denn sie sind für die älteren Hunde sozusagen noch ein unbeschriebenes Blatt, ein Neutrum ohne Eigengeruch. Das Geschlecht können ältere Hunde bei Welpen noch nicht klar erkennen und sich ihnen gegenüber so auch noch nicht adäquat verhalten. 
Das ist jedenfalls das gewesen, was wir aus verschiedenen Gesprächen aufgeschnappt haben.
Doch nicht nur im Umgang mit Lilli zeigten sich diese Annahmen. Immer, wenn Milow als Welpe auf andere ältere Hunde gestoßen ist, ist er zwar von diesen begutachtet und freundlich begrüßt worden – der Begriff „Welpenschutz“ kommt hier zum Tragen – doch intensiver hat sich dann niemand mehr mit ihm beschäftigt.

Die ersten Tage waren wir deshalb auch noch oft unsicher, ob wir unseren Welpen zu jedem Hund lassen sollen oder nicht. Denn Welpen untereinander spielen, nicht nur aufgrund ihrer Altersklasse, bedenkenlos miteinander. Manchmal können sie auch mal über die Strenge schlagen, was es von Seiten der Hundehalter abzumildern gilt. Doch ältere Hunde sind teils auch unberechenbar, sodass wir auf den Spaziergängen in den ersten Wochen bei den Begegnungen mit fremden Hunden Milow immer etwas zurückgehalten haben. In der Hundeschule, die wir von Anfang an besuchten, spielte Milow die ersten Wochen auch nur mit Welpen. Denn „Gleichaltrige“ verstehen sich einfach besser miteinander und nehmen mehr Rücksicht aufeinander. Draußen hingegen oblag es dann unserer eigenen Einschätzung, ob wir Kontakte mit anderen Hunden zulassen oder vermeiden.

Wie sozialisieren wir unseren Welpen?

Mit der Zeit wurden wir aber immer lockerer im Umgang mit anderen Hunden. Das lag aber sicherlich auch daran, dass wir die Konfrontationen oft nicht mehr umgehen konnten, da Milow die Hunde schon vor uns entdeckte. Wir würden von unserem Welpen behaupten, dass er ein sehr freundlicher, sozialer und devoter Hund im Umgang mit anderen Hunden ist, und wir deshalb auch keine Bedenken haben, ihn ungehindert zu anderen zu lassen.

Bislang hatten wir aber ehrlich gesagt auch noch keine Begegnung mit einem gegenüber Milow aggressiv auftretenden Hund. Wobei wir auch hier, anders als viele andere Menschen, der Meinung sind, dass Negativerfahrungen bei Begegnungen zum Leben eines Welpen dazugehören. Wir können und müssen diese auch nicht immer verhindern. Hunde sollen ihre eigenen Erfahrungen, so auch welche negativer Natur, machen, um sich frei entwickeln zu können. Da würden wir als Hundehalter meiner Meinung nach nur falsch agieren, wenn wir unseren Welpen vor allem beschützen.
Natürlich sollte man aber auch nicht zugucken, wenn ein anderer Hund den eigenen auf eine zu heftige Art und Weise attackiert. Hier ist eine gewisse Balance gefragt, die man aber, meiner Meinung nach, ohnehin mit der Zeit entwickelt. Man bekommt von ganz allein ein Gefühl davon, was Spielen ist und wann es zu viel wird, sodass man den eigenen Hund für eine kurze Weile aus dem Verkehr ziehen sollte.

Wie können wir Hundebegegnungen positiv beeinflussen? 

Aus unseren eigenen Erfahrungen kann ich nur dazu raten, den Hund einem fremden Hund nur so gegenübertreten zu lassen, wie es das Gegenüber vormacht. Ist der andere Hund angeleint, leint man den eigenen bestenfalls auch an. Hört der eigene Hund einwandfrei auf den Rückruf, kann man auch mit Abstand den anderen Hund passieren. Ist der andere Hund unangeleint, kann man seinen gegebenenfalls auch von der Leine loslassen.

So bringt man beide Hunde auf ein Level und eine faire Begegnung. Es spielt hierbei auch keine Rolle, warum andere Hunde angeleint sind. Man sollte dies nur registrieren und sich mit seinem eigenen Hund entsprechend verhalten bzw. der Situation individuell anpassen.
Auch hier ist die Kommunikation entscheidend. Bei freilaufenden Hunden, wie denen auf unserer beliebten Hundewiese in Köln-Müngersdorf, gehe ich davon aus, dass ihre Besitzer sich im Klaren darüber sind, dass die Hunde uneingeschränkt in Kontakt mit anderen Hunden kommen können. Da würde ich nicht die Nachfrage starten, ob es ok ist, wenn meiner mit ihnen spielen darf. Anders verhält es sich allerdings bei angeleinten Hunden. Hier frage ich heute mehr denn je lieber einmal mehr nach, ob sie sich begrüßen dürfen oder nicht. Schließlich wird unser Welpe immer größer. Zudem gibt es Gründe dafür, dass bestimmte Hunde auf Plätzen angeleint sind, auf denen sich andere Hunde frei bewegen können.

Welche Hunde vertragen sich am besten? 

Nicht nur Welpen untereinander gesellen sich gerne zueinander, auch gleiche Rassen mögen oftmals einander lieber als andersartige. Das habe ich oft schon gehört und es bestätigt sich bei uns selbst auch immer wieder, wenn wir mit Milow unterwegs sind und auf andere Hunde treffen. Er tollt und spielt neben Welpen liebend gerne mit Retrievern, vor allem Labradoren, aber natürlich auch mit Weimaranern und Hunden, die seiner Rasse ähnlich sind. Mit kleineren Hunden oder Hunden einer anderen Gruppierung (Hütehunde, etc.) versteht er sich zwar auch, aber gesellt sich nicht gerne länger zu ihnen. Zudem favorisiert er besonders Hunde, die seiner Größe und seiner Gewichtsklasse gerecht werden und die es mit ihm aufnehmen können. Das wird sich wohl auch nie ändern. So sind wir immer auf der Suche nach seinem „Beuteschema“ und lassen ihn auch gerne mit diesen Hunden zusammenspielen.

Welche Vorteile hat ein Weimaraner aus der Showlinie?

Nun muss ich an der Stelle noch einmal festhalten, dass Labradore absolute Familienhunde sind, Weimaraner hingegen herkömmlich Jagdhunde. Allerdings stammt Milow aus einer Zucht, in der seine Mutter, die eine Weimaranerin ist, aus einer Showlinie kommt. Sein Vater ist ein klassischer Labrador aus einer Showlinie. So hat uns die Züchterin darüber aufgeklärt, dass dieser Wurf keine ausgeprägten Jagdnasen hat, und sie keinem Jäger, der einen dieser Welpen als Wegbegleiter für seine Jagd haben wollte, einen abgegeben hätte.

Uns ist dieses rassenunspezifische Merkmal allerdings sehr entgegengekommen, weil wir ja bewusst auf der Suche nach einem Familienhund gewesen sind und wir mit unserem Welpen diesbezüglich nun hervorragend bedient sind. Und ja: Vermutlich kann man jeden Hund zu einem Jagdhund ausbilden und jeder Hund verspürt einen gewissen Jagdtrieb. Aber besonders bei Weimaranern, die normalerweise zu dieser Art von Hund zählen, ist die Showlinie nicht so typisch. Umso froher sind wir, dass dieser Trieb bei ihm nicht stark ausgebildet ist.
Denn gerade in unserer städtischen Gegend möchten wir ganz bewusst darauf verzichten, einen solchen Jagdtrieb bei unserem Welpen zu entfachen. Wir möchten ein Leben lang unangeleint mit ihm im Wald spazieren gehen können, ohne dass er das Wild spannender als unser Rückrufsignal empfindet.
Ich denke, dass wir mit Milow die richtige Wahl getroffen haben. 

Wie ist aktuell das Verhältnis zwischen unseren Hunden? 

Lilli und er sind inzwischen zwar keine besten Freunde geworden, allerdings leben sie gerne nebeneinander her und beachten sich einfach kaum. Und wenn Milow Lilli manchmal zu aufdringlich wird, zeigt sie Zähne und knurrt ihn an, was ihn bislang noch immer beeindruckt und ihm klar zu verstehen gegeben hat, dass er besser das Weite suchen soll. Das tut er dann auch, wenn auch nur für einen kurzen Moment.
Die Erklärung für ihre Reaktion liegt inzwischen wohl mehr oder weniger nicht mehr nur darin, dass Milow noch ein Welpe ist. Viel mehr hat sie verstanden, dass er einer anderen, aber vor allem noch viel größeren Rasse angehört. Denn er ist ihr mittlerweile tatsächlich über den Kopf gewachsen.

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