Gefühle

„Oh mein Gott ist der süüüß, darf ich den mal streicheln?“
Typisch bei Welpen, so auch bei Milow. Von Anfang an bis heute, nach wie vor. Jeder möchte gerne veräußern, wie süß er ist. Egal wo man mit ihm langging und heutzutage langgeht. Am liebsten wollen ihn alle anfassen, streicheln, mit ihm kuscheln. Von ihm Fotos machen, Videos und ihn mitnehmen.
In den ersten Tagen kamen wir in Köln keine fünf Meter voran, ohne, dass jemand aussprach, wie süß Milow doch aussieht. Natürlich ehrt es jeden Hundebesitzer, wenn er mehrfach hört, wie goldig sein Welpe doch auschaut. Es freut einen zu hören, dass ihn die Menschen bezaubernd finden. Ihm alle wohl gesonnen sind und positiv gegenüber eingestellt.

Doch was anfangs schön zu hören ist und süß mit anzusehen, kann nach wenigen Wochen echt nervenaufreibend werden. Denn schnell trennt sich auch hier die Spreu vom Weizen – man erkennt schon nach wenigen Minuten, wer nicht nur hundeaffin ist und Erfahrung mit Hunden hat, sondern vor allem auch wer wirklich gar nicht mit Hunden umzugehen weiß und wer (unabsichtlich) falsch handelt. Ganz zu schweigen davon, welche möglichen Konsequenzen dieses Verhalten für seine Erziehung hat. Von den Menschen, die sich Hundewelpen gegenüber völlig unmöglich verhalten, möchte ich erst gar nicht anfangen.

Wie verhalten sich hundeaffine Menschen?

Die meisten Menschen, denen wir auf unseren Spaziergängen begegnen, sind freundlich und fragen uns auch erst um Erlaubnis, wenn sie Milow streicheln möchten. Denen genehmigen wir es auch und versuchen unseren Welpen in der Situation darauf einzustellen, indem wir ihn erst einmal ins Sitz bringen. Er lässt sich dann gerne kurz kraulen und leckt meist dankbar an den Händen der Menschen.

Wie verhalten sich ungestüme Menschen?

Es gibt aber auch die Sorte Menschen, die ohne zu fragen einfach schon mit ihren Händen nach seinem Kopf und Rücken greifen, ihn anfassen wollen, ohne es vorher erst einmal mit uns abzuklären. Meist auch Kinder, die natürlich unbeholfen sind, aber eben auch Kinder ihrer Eltern. Bei diesen Menschen neige ich dann auch recht schnell dazu, mit Milow ungehindert den Weg weiter fortzusetzen ohne bei ihnen zu verharren oder aber einen entsprechenden Kommentar anzubringen.

Schließlich empfinden es vor allem Welpen nicht als sonderlich positiv, wenn Menschen mit ihren Händen ungestüm und ohne Ankündigung von oben über ihren Kopf greifen. Meist versuchen sie, so auch Milow, sich mit einer Abwehrhaltung, sei es aus Angst zu beißen, sich dagegen zu wehren. Wir als Hundehalter können uns dann genau von diesen Menschen Beschwerden oder dumme Kommentare anhören, die es selbst schuld sind. Haben diese Menschen eigentlich vergessen, dass Hunde auch Gefühle haben?

Als wir Milow eine Woche bei uns hatten und mit ihm unterwegs waren, kam es einmal zu der Situation, dass ein Mann sein Handy rausholte und ihn wie wild fotografierte, ohne uns zu fragen. Ich glaube, er konnte merklich spüren, wie ich das fand, als ich Milow aus dem Szenarium befreite.

Welches Verhalten ist ärgerlich?

Anders verhält es sich mit den Menschen, die es zwar besser wissen, aber gerne klugscheißen oder aber in die Erziehung anderer hineinpfuschen wollen. Sie drehen den Hund an der Leine vor den Augen des Herrchens auf, um dem Hundehalter dann aufzuzeigen, dass der Hund ja auch ganz wild sein kann und noch klein ist. Vielleicht auch noch unerzogen. „Ach nein, wirklich?“ Und meistens hinterlassen sie einem den Welpen dann in diesem aufgedrehten Zustand und machen sich aus dem Staub, wenn er anfängt zu beißen, weil es ihm zu viel geworden ist.
Im Kontrast zu all den zuvor beschriebenen Typen Mensch sind mir jene, die Milow erst gar keine Aufmerksamkeit schenken, weil sie mit Hunden einfach nichts anfangen können, deutlich lieber.

Je länger wir unseren Welpen haben, umso selbstbewusster und durchsetzungsfähiger werde ich. Lange Zeit fiel es mir schwer, Menschen die Meinung zu sagen, wenn ich das Gefühl hatte, dass sie meinem Hund nichts Gutes wollen oder tun. Einfach aus Respekt vor dem Verhältnis zu ihnen. Mit der Zeit wächst aber, glaube ich, der Beschützerinstinkt in einem selbst. Ich für meinen Teil nehme mir jedenfalls von nun an vor, im Sinne meines Hundes zu handeln, und gebe deshalb in der Hinsicht auch nichts mehr auf die Meinung anderer.

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