Impulskontrolle

Dieses Thema finde ich persönlich sehr spannend, weil man hierbei so viele verschiedene Möglichkeiten hat, mit seinem Hund trainieren zu können. Mithilfe des Trainings kann man ihn auf verschiedene Alltagssituationen vorzubereiten und ihm die nötige Entspannung vermitteln, wenn er sie braucht.
Es geht beim Impulskontrolltraining darum, dass der Hund verschiedenen Reizen ausgesetzt wird, die er auszuhalten hat. Bei denen er sich kontrollieren muss, ohne dabei in Stress oder gar in Frust zu verfallen. Für das gemeinsame Zusammenleben ist das Training meines Erachtens unabdingbar und es lohnt sich, früh genug damit beim Hund anzufangen.

Wofür ist die Impulskontrolle beim Hund wichtig?

Wichtig ist es hierbei, im Laufe der Entwicklung des eigenen Hundes, zu beobachten, was genau ihn anspannt, in welchen Situationen er sich nicht zurückhalten kann und wobei er stark kontrolliert werden muss. Hier tickt jeder Hund anders: Der eine tut sich schwer, an anderen Hunden entspannt vorbeizugeben. Der andere ist jedem Fressen restlos verfallen – kann es noch so unappetitlich auf der Straße herumliegen. Der dritte rennt jedem Jogger hinterher, weil er sich für ihn zu schnell bewegt und diese Handlung Reize bei ihm entfacht.

In den meisten Lebensbereichen ächzt der Hund nach Impulskontrolle, liegt es doch in unserer Hand ihm ein kontrolliertes Verhalten mit auf den Weg zu geben, um entspannter durch den Alltag mit uns zu kommen. Den Stress für ihn und uns selbst zu reduzieren.
Anhand von drei verschiedenen Situationen möchte ich euch im Folgenden nun zeigen, wie wir mit Milow Impulskontrolltraining aufgebaut haben, damit er sich in den jeweiligen Situationen besser kontrollieren kann und sich dadurch auch unser Alltag mit ihm entspannter leben lässt. Bei allen dreien geht es eigentlich darum, ihn provokativ mit der Situation zu konfrontieren und ihm die Konsequenzen nahe zu legen, ohne dass die Aktion letztlich bereits gegenwärtig ist.

Wie trainieren wir mit unserem Hund die Begrüßung von Gästen an der Haustür?

Kommen uns Verwandte oder Freunde zuhause besuchen, werden sie entweder von Milow bereits im Treppenhaus schwanzwedelnd und aufgeregt empfangen oder aber erst im Wohnzimmer, wenn wir ihn bewusst erst nach einigen Minuten aus seiner Box lassen. Ersteres kann böse enden, wenn er sie schon auf der Treppe anspringt und mit seinen rund 25 kg umreißt.
Hier liegt es an uns, ihm beizubringen, die Menschen in Ruhe und vorsichtig zu begrüßen. Denn freundliches Verhalten sieht deutlich ruhiger und unaufgeregter aus. Dafür muss er weder an den Leuten hochspringen noch wie wild um sie umher laufen.

Das Wichtigste an der Übung ist, zum einen den Menschen klarzumachen, dass sie ihm zunächst einmal keine Aufmerksamkeit schenken, ihn darüber hinaus aber auch von sich wegstoßen sollen, wenn er versucht, an ihnen hochzuspringen. Zum anderen ist es an der Stelle unsere Pflicht, ihn davon auch aktiv abzuhalten. Er muss es aushalten können, im Sitz bei uns im Wohnungsflur in Ruhe auf den Besuch warten zu können, ohne schon aus der Wohnungstür laufen zu müssen.

Wir üben dieses Verhalten mit ihm, indem wir ihn immer wieder ins Sitz bringen, sobald die Wohnungstür weit aufgeht, sei es zum Test oder weil wir die Wohnung wirklich verlassen wollen. Wir spielen hierbei öfters den Besuch, um mit ihm ruhiges Verhalten üben zu können. Aktuell fällt es ihm aber nach wie vor immer noch schwer, nicht direkt losstürmen zu dürfen. Wir müssen wir weiter dranbleiben. 

Wie halten wir unseren Hund beim Essen vom Tisch weg?

Abgesehen von der Straße, von der Milow alles fressen würde, wovon wir ihn nicht unmittelbar abhalten können, findet er natürlich erst Recht alles Essbare toll, was auf unseren Tischen in der Wohnung steht.
Wenn wir den Raum verlassen würden, wäre jegliches Essen (ja, auch eingepackt!) weg, wenn es in dem Moment für ihn erreichbar ist. Dem Fall können wir auch nicht vorbeugen. Hier kommt der Labbi bei ihm einfach durch. Doch es besteht noch Hoffnung für all das Essen, was in unserer Anwesenheit auf dem Tisch steht, in für ihn erreichbarer Nähe.
Des Öfteren kam es schon vor, dass er sich ein Stück oder zwei Stücke Kuchen vom gedeckten Tisch klaute, wenn wir gerade einmal nicht hinschauten. Da war die Versuchung dann doch größer als die daraus folgenden Konsequenzen für ihn – wie Blähungen, Bauchschmerzen und Boxverdammnis für mehrere Stunden.

Seinen Fresstrieb steuern wir auch hier auf provokative Weise mit leckerem Essen. Wir legen also bewusst ein Stückchen Salami auf die Tischkante, rücken die Plätzchen näher ans Tischende und verteilen sein Futter direkt vor seiner Schnauze. Dadurch soll er lernen, nicht daran zu gehen, bis wir es ihm erlauben. Mit einem klaren „Nein!“ oder einem Stups auf die Schnauze mahnen wir ihn, wenn er versucht, sich dem Fressen unerlaubt zu nähern. Hält er dem Druck Stand, darf er es haben.
Ihm fällt es mit der Zeit immer leichter, dem Essen auf dem Tisch auszuweichen, da er weiß, dass es nicht für ihn bestimmt ist. Auch bei den Übungen macht er sich richtig gut, weil er gelernt hat, dass er die Leckerlis zur Belohnung nur dann auch bekommt, wenn er sich kontrollieren kann.

Wie beruhigen wir unseren Hund auf Spaziergängen, wenn er auf Bewegungen reagiert?

Ob Jogger, Radfahrer, laufendes Kind, Vogel oder titschender Ball – alles, was sich schnell bewegt, findet Milow super aufregend. Am liebsten würde er hinterherrennen oder ihn bzw. es jagen, wenn er im Freilauf wäre. Doch das ist er nicht immer. Und an der Leine hat er sich nun mal zu beherrschen.

Unsere Aufgabe ist es also, ihn zur Entspannung zu bringen, wenn’s mal wieder hektisch um uns herum wird. Also provozieren wir ihn auch hier mit einem titschenden Ball vor seinem Gesicht, wenn er sich im Platz auf seiner Decke befindet. Wir hantieren mit seinen Lieblingsspielsachen vor seinem Gesicht, laufen vor ihm hin und her. Dabei darf er seine Position nicht verlassen.
Auch hier fällt es ihm bei den Übungen mittlerweile immer einfacher, sich zu kontrollieren. Angespannt ist er aber jedes Mal wieder auf’s Neue, woran ich gerne noch weiter mit ihm arbeiten möchte.

Ihr seht also, wie wichtig das Impulskontrolltraining mit Hunden ist und was man dadurch alles positiv beeinflussen kann. Denkt immer daran, dass sich das Ergebnis sowohl für den Hund als, und vor allem auch, für euch selbst als Hundehalter am Ende auszahlt, wenn ihr durchhaltet und die Situationen in den Griff bekommt. Denn je entspannter der Hund ist, umso entspannter seid ihr.