Besichtigung

Lange träumten wir, vor allem ich, von einem eigenen Familienhund, der für mich zum Leben einfach dazugehörte. Doch immer wieder wurden wir schnell auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt, als es mit unseren Vorstellungen konkreter wurde: keine Hundehaltung in der Wohnung erlaubt, keine Zeit dafür, große Urlaube, die anstanden, zu hohe Kosten. Wir fanden leider lange Zeit Gründe, die uns von einer Anschaffung abhielten. Gott sei Dank, keine Frage.

Wann ist der richtige Zeitpunkt, einen Hund anzuschaffen?

Als sich allerdings die Rahmenbedingungen Anfang des Jahres für uns änderten – neue Arbeitsstellen, neue Wohnung – war der Wunsch nach einem eigenen Hund wieder schnell gegenwärtig. Und mit dem Thema ließ ich auch nicht locker. Seit Anfang des Sommers beschäftigte ich mich über mehrere Wochen hinweg konkret mit Familienhunderassen, hab mir das nötige Know-How und Insidertipps angelesen. Nach einigen Überlegungen fiel unsere Wahl schlussendlich auf den Golden Retriever und Labrador. Beim Labrador hätten wir beide sogar speziell die Farbe silber favorisiert.

Gezielt suchte ich also nach solchen Hundewelpen im näheren Umkreis von Köln und wurde auch fündig. Ich telefonierte mit einigen Züchtern dieser Würfe und vereinbarte Besuchstermine, die wir allerdings aufgrund der Entfernung und Zeit dann doch nicht wahrnehmen konnten. „Schicksal!“ sag ich an der Stelle nur. Und so kam es wie es kommen sollte: An einem Abend entdeckte ich bei Ebay Kleinanzeigen einen Labmaranerwurf in Hückeswagen, der es mir sofort angetan hatte. Ich telefonierte ohne Rücksprache mit meinem Freund noch spätabends mit der Züchterin und vereinbarte einen Besuchstermin wenige Tage später. Meinem Freund erzählte ich von dem Telefonat erst als er nach Hause kam.

Mit dem Termin war er einverstanden, betonte aber aufgrund seiner naheliegenden Zweifel: „Wir können ja mal gucken fahren“. Er ist nämlich im Gegensatz zu mir nie mit einem Hund groß geworden. Seine Bedenken konnte ich daher also ganz gut nachvollziehen, hatte ich sie ja letztlich auch, wie sich später noch einmal herausstellen sollte.

Was wird uns bei der Welpenbesichtigung erwarten?

Der Tag war gekommen und wir machten uns auf den Weg zur Züchterin. Eine Stunde Fahrt lag vor uns und die war nervenaufreibend. Wir wussten nicht, was uns erwartet. Wir versuchten ruhig zu bleiben, doch die Aufregung war viel zu groß. Wir waren super nervös und hatten genug Zeit dafür. Und auch Zeit für sämtliche Überlegungen, die unsere Pläne wieder sofort zu zerschmettern drohten.

Aber wir ließen uns auf das Abenteuer Welpe ein und stürmten uns voller Enthusiasmus vor Ort in die Masse voll kleiner tapsiger hilfloser und plüschiger Wesen. Wir wussten gar nicht wo wir zuerst hinschauen sollten und strahlten nonstop über beide Ohren. Dieses Glücksgefühl ist nicht mit Worten zu beschreiben. Jeden Welpen haben wir uns genau angeschaut. Wir haben sie einzeln miteinander verglichen, sie hochgehoben, auf den Arm genommen und auch den charcoal farbenen eine Chance gegeben. Waren wir doch eigentlich auf die silbernen aus.

Einer dieser Welpen hat sich sofort an die Beine meines Freundes gelegt und sich mit seinen Schnürsenkeln befasst. Doch auf die Frage ob das Schicksal ist, wenn einer dieser Hund auf einen selbst zugelaufen kommt, antwortete die Züchterin eher nüchtern, dass dies nichts auszusagen hätte. Vielleicht sei der Hund einfach in dem Moment am aktivsten und hätte uns deswegen auserwählt.

Nach knapp einer Stunde Kuscheln und Spielen mit den Welpen schwankten wir zwischen zweien: einer silbernen Hündin und einem silbernen Rüden: Milow. Sie war so zierlich und süß, dass wir auch von ihr hin und weg waren. Doch unter dem Aspekt der Vernunft haben wir uns erst einmal dazu entschlossen, eine Nacht über das Ereignis zu schlafen, bis wir der Züchterin unsere Tendenz mitteilen und zu- bzw. absagen. Da die Nachfrage aber verständlicherweise sehr hoch war, mussten wir uns bis zum nächsten Abend entscheiden, welchen Welpen wir gerne haben und bis zum übernächsten Abend, ob wir diesen dann auch definitiv nehmen möchten.

Welche Ängste und Zweifel haben wir?

Wie ihr euch sicherlich vorstellen könnt, folgten zwei schlaflose Nächte für uns. Immer wieder schauten wir uns die Bilder und Videos von den Welpen an, verglichen und überlegten. Doch wir beide tendierten aufgrund unserer ursprünglichen Entscheidung für einen Rüden auf jeden Fall schon einmal mehr zu Milow. So sagten wir der Züchterin am nächsten Abend zumindest schon einmal für ihn zu.

Doch die nächsten 24 Stunden, die auf die Zusage folgten, trieben uns beide fast an den Rand des Wahnsinns. Zweifel kamen hoch, viele Selbstzweifel auch darunter, Ängste machten sich breit und viel Gesprächs- und Diskussionsstoff kam auf. Einige Tränen der Verzweiflung flossen, weil diese Entscheidung gefühlt eine der schwersten in unseren Leben war.

Wir befürchteten, den Anforderungen eines solchen Hundes nicht gerecht werden zu können. Uns vielleicht zu früh zu viel mit ihm zuzumuten. Ereignisse und Termine nicht mehr wahrnehmen zu können. Doch wir wussten gleichzeitig auch, dass wir ihn in keiner anderen Familie sehen wollen würden. Irgendwie gehörte er doch schon zu uns und wir hatten unser Herz schon längst an ihn verloren gehabt.

Was spricht für die Entscheidung, sich einen Hund zuzulegen?

Und so sagten wir der Züchterin an diesem Abend, wenn auch noch verspätet, endlich zu, Milow zu nehmen. Jenen Hund, der auf meinen Freund blindlinks zugetapst kam – jedes Treffen auf’s Neue – und genau wusste, wen von uns beiden er noch viel mehr zu überzeugen hatte. Aus „wir können ja mal gucken fahren“ wurde Ernst… na endlich.

An der Stelle kann ich allen Interessierten, aber Zweifelnden, nur raten: Mut zur Lücke! Den richtigen Zeitpunkt für die Anschaffung eines Hundes gibt es nie. Natürlich sollten die Voraussetzungen dafür stimmen, aber ihr werdet ohnehin erst im Nachhinein erfahren, ob ihr schon bereit für einen Hund – viel mehr noch für einen Welpen – ward oder nicht. Traut euch, Anfangsfehler macht jeder…!

Zur Überbrückung der nächsten zweieinhalb Wochen besuchten wir unseren Welpen noch einmal am darauffolgenden Wochenende bei der Züchterin und befassten uns konkret mit ihm. Wir staunten nicht schlecht über sein schnelles Wachstum und hatten ihn schon sehr in unser Herz geschlossen. Den Tag seines Einzugs konnten wir kaum noch abwarten, konnten wir unser Glück doch kaum fassen. Die Vorbereitungen für seinen baldigen Einzug liefen von dort an auf Hochtouren…

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